Bezahlt werden fürs Warten
Wie geduldige Investoren sich ihre Disziplin vergüten lassen, bis der Preis stimmt – mitsamt der Kehrseite.
Wer den Wert eines börsengehandelten Assets kennt, kann sich das Warten auf den richtigen Preis vergüten lassen. Zwei Optionsstrategien – der Verkauf eines Puts zum Wunsch-Einstiegspreis und der Verkauf eines Calls zum Wunsch-Ausstiegspreis – machen aus Geduld eine Prämie. Sie funktionieren aber nur mit einer sauberen Wertbestimmung und bergen erhebliche Risiken.
Die meisten Menschen kennen an der Börse nur zwei Zustände: Man besitzt etwas, oder man besitzt es nicht. Man kauft, man verkauft, dazwischen wartet man – und das Warten kostet Zeit, bringt aber nichts ein.
Es gibt einen dritten Zustand, den die wenigsten kennen: bezahlt werden, während man wartet. Nicht für ein Asset, das man schon hat, sondern für die bloße Bereitschaft, zum richtigen Preis zu handeln.
Das Werkzeug dafür sind Optionen. Der Name klingt nach Spekulation, und in falschen Händen ist er das auch. Richtig eingesetzt sind die beiden hier beschriebenen Strategien jedoch die konsequente Fortsetzung eines geduldigen, wertorientierten Vorgehens. Dieser Text erklärt die Mechanik – ehrlich, mitsamt ihrer Kehrseite. Er ist keine Empfehlung, sie anzuwenden.
Eine Option ist eine Prämie für ein Versprechen
Eine Option ist im Kern ein Versprechen, für das Sie bezahlt werden. Sie versprechen, unter einer bestimmten Bedingung zu kaufen oder zu verkaufen. Für dieses Versprechen zahlt Ihnen jemand sofort eine Prämie – Geld, das Ihnen gehört, egal was danach passiert. Sie werden also nicht dafür bezahlt, dass Sie etwas tun, sondern dafür, dass Sie bereit sind, etwas zu tun, falls ein bestimmter Fall eintritt.
Für den geduldigen Investor passt das. Denn er wartet ohnehin – auf den richtigen Preis zum Einstieg oder auf den richtigen Preis zum Ausstieg. Zwei Situationen gibt es, und für jede gibt es das passende Versprechen.
Sie wollen kaufen, aber der Preis ist noch zu hoch
Sie haben ein Asset im Blick. Sie haben seinen Wert bestimmt und wissen, zu welchem Preis Sie kaufen würden. Aber der Markt verlangt derzeit mehr. Der klassische Investor legt eine Kauforder tiefer und wartet. Passiert nichts, hat er nichts gewonnen außer Zeitverlust.
Die Alternative: Sie geben das Versprechen, zu Ihrem Wunschpreis zu kaufen – und bekommen dafür sofort eine Prämie. In der Fachsprache verkaufen Sie einen Put. Fällt das Asset auf dieses Niveau, kaufen Sie es zu genau dem Preis, den Sie sich vorgenommen hatten, und die Prämie haben Sie zusätzlich erhalten. Ihr effektiver Einstiegspreis liegt also sogar unter Ihrem Wunschpreis. Fällt das Asset nicht auf Ihr Niveau, kaufen Sie nicht – behalten aber die Prämie.
Fällt das Asset weit unter Ihren Wunschpreis, müssen Sie trotzdem zum vereinbarten Preis kaufen. Sie tragen das volle Abwärtsrisiko unterhalb Ihres Einstiegs – bis zum Totalverlust. Verkraftbar ist das nur, wenn Sie das Asset wirklich zu diesem Preis besitzen wollten und das Geld dafür vollständig bereitliegt. Die Prämie ist die Bezahlung für ein echtes, übernommenes Risiko – niemals ein geschenktes Zubrot.
Sie besitzen es bereits, und der Preis liegt über dem Wert
Nun der umgekehrte Fall. Sie besitzen ein Asset, dessen Kurs inzwischen über dem liegt, was Sie für seinen wahren Wert halten. Sie wären bereit, es zu einem noch etwas höheren Preis abzugeben – und würden gern etwas dafür bekommen, dass Sie warten, bis dieser Preis erreicht wird.
Auch dafür gibt es das passende Versprechen: Sie verkaufen einen Call auf ein Asset, das Sie bereits halten. Sie versprechen, es zu einem festgelegten, höheren Preis zu verkaufen, und bekommen dafür sofort eine Prämie. Erreicht der Kurs dieses Niveau, verkaufen Sie zu genau diesem Preis – plus Prämie. Erreicht er ihn nicht, behalten Sie Ihr Asset und die Prämie.
Steigt das Asset weit über Ihren festgelegten Verkaufspreis, müssen Sie trotzdem zu diesem Preis abgeben – den Gewinn darüber verpassen Sie. Und fällt der Kurs, schützt die Prämie nur in ihrer Höhe; den Rest des Kursverlusts tragen Sie als Eigentümer voll.
Ohne Wertbestimmung wird aus dem Werkzeug eine Wette
Beide Strategien funktionieren nur unter einer Bedingung: Sie müssen wissen, was Ihr Asset wert ist. Ohne diese Grundlage legen Sie Ihre Preise willkürlich fest, und dann wird aus dem disziplinierten Werkzeug tatsächlich Spekulation.
Wer den Wert kennt, für den fügt sich alles zusammen. Der Wert sagt ihm, unterhalb welchen Preises ein Kauf attraktiv ist – dort setzt er sein Kaufversprechen an. Der Wert sagt ihm auch, oberhalb welchen Preises ein Verkauf klug ist – dort setzt er sein Verkaufsversprechen an. Die Prämie ist in beiden Fällen nichts anderes als die Vergütung für Geduld und Disziplin.
Optionen haben einen schlechten Ruf, und bei denen, die sie als Wetten missbrauchen, ist er verdient. Die Frage ist nie „Wie hebele ich mein Kapital für den schnellen Gewinn?”. Die Frage ist: Zu welchem Preis will ich rein, zu welchem Preis will ich raus – und kann ich mir die Zeit dazwischen vergüten lassen? Der Schlüssel liegt immer davor: bei der Fähigkeit, den Wert zu bestimmen.
Über Isolagra. Die Isolagra Solar- und Agraranlagen GmbH ist ein Family Office für reale Cashflow-Assets mit Wurzeln bis 1986. Amelie und Johannes Hayd entwickeln, prüfen und strukturieren Sachwert-Investments – und investieren bevorzugt selbst.
Erst den Wert bestimmen, dann über den Preis reden
Im Isolagra Circle teilen wir, wie wir den Wert von Cashflow-Assets bestimmen – die Grundlage jeder geduldigen Entscheidung.
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